Neuhaus Sasse Ingendoh Architekten






Büroanbau Wasserwerk Süderelbmarsch, Hamburg Neuwiedenthal

Büro
Baujahr Bestand 1956 – Denkmalschutz
Planungsbeginn Frühjahr 2018
Umbauzeitraum Sommer 2018 bis Herbst 2019
Leistungsphasen LPH 1-3
BGF 560 m2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bestand
Das Grundwasserwerk Süderelbmarsch versorgt seit 1956 den Bereich der Marsch südlich der Elbe von Cranz und Neuenfelde im Westen bis Neuland im Osten mit Trinkwasser. Durch den Bau des Grundwasserwerks wurde die Trinkwasserknappheit in Hamburgs Süden beendet. 1956 wurde der Wettbewerbsentwurf des Architekturbüros E.A. Gärtner durch das Zweigbüro in Hamburg unter Architekt Ric Stiens erbaut und vom damaligen Bürgermeister Sieveking eingeweiht. Der Bau ist ein authentischer Rotklinkerbau der 50er Jahre, mit Eingangshalle, Pumpen-und Motorenhaus, Filtergebäude und Verdüserhalle sowie mit Werkstatt und Nebenräumen. Als Ergänzung finden sich auf der anderen Straßenseite als eingeschossige Putzbauten mehrere Wohnhäuser für die Bediensteten in traditionalistischer Formensprache. Sämtliche Gebäude befinden sich unter Denkmalschutz. Die wohlüberlegte Gebäudekomposition der unterschiedlichen Hallen des Wasserwerks ist einheitlich als Stahlbeton-Mauerwerks-Mischkonstruktion mit flach geneigten oder gewölbten Dächern ausgeführt worden. Roter Klinker, hellgrau oder fast weiß gestrichener Beton und rotbraun beschichtete Metallbleche prägen die reduzierten Fassaden. Der rote Klinker mit Kohleanteil ist zweifarbig verfugt worden: Lagerfugen sandfarben, Stoßfugen rotbraun. Der Haupteingang mit Empfangshalle wird durch ein filigranes auskragendes Vordach mit runden Ecken betont. Vier Stufen führen in die Empfangshalle, welche durch eine Glaswand von der Maschinenhalle getrennt ist. Dem Besucher wird die großzügige Maschinenhalle wie eine Objektausstellung präsentiert. Hier wird der repräsentative Charakter und die öffentliche Funktion des Gebäudes deutlich. Großflächige Mosaiken sowie ein Wandbild mit Schriftzug in der Empfangshalle vervollständigen das Bild. Der vorhandene Bürobereich (ursprünglich Labor) grenzt nördlich an die Eingangshalle und wurde in den 90er Jahren in Richtung Süden um ca. 3,5m unter dem ursprünglichen Laubengang erweitert. Im Anschluss daran befinden sich die großen Filter- und Verdüserhallen. Werkstätten mit Sozialbereich und Garagen befinden sich auf der westlichen Hofseite gegenüben den Hallen. Der großzügige Innenhof dient als Werkhof mit diversen unterirdischen Becken und Anlagen.

Aufgabe Erweiterung und Umbau Bürobereich
Die Aufgabenstellung sieht die Vergrößerung des Bürobereichs um weitere 5 Arbeitsplätze und die Schaffung eines Besprechungsraums für 14 Personen vor. Ebenso sollen die vorhandenen Räume wie Büro-und Pausenraum, Teeküche, Sanitär-und Kopierraum in Anordnung, Dimensionierung und Gestaltung überplant werden. Die Gesamtfläche beträgt ca. 425 m2.
Änderungen am Gebäude bedürfen der bau- und denkmalrechtlichen Genehmigung. Im Rahmen einer Planungsvorstufe wurden unterschiedliche Erweiterungsmöglichkeiten untersucht. In Abstimmung mit dem Bauherrn, dem Nutzer und der Denkmalbehörde wurde als gestalterisch und funktional optimale Lösung die Bebauung der Innenecke zwischen Filterhalle und heutigem Bürobereich herausgearbeitet.

Planung
Die vorliegende Planung sieht die Erweiterung des Bürobereichs um 3 Büroräume mit 5 Arbeitsplätzen und einen Besprechungsraum für 14 Personen vor.
Der eigenständige, prägnante Erweiterungsbau fügt sich respektvoll und wohlproportioniert in die Bestandssituation ein. Es bleibt erkennbar, was Altbau ist und was neu hinzugefügt wurde. Dennoch haben Materialität und Formensprache stark mit der Architektur der Bestandsgebäude zu tun. Entsprechend erhält der gestaffelte Erweiterungsbau eine Rotklinkerfassade mit ausschließlich vertikal unterteilten Fensterelementen. Der Anschluss des massiv konstruierten Erweiterungsbaus an das bestehende Gebäude erfolgt über eine verglaste Fuge. Die Fassade wird in rotem Klinker verblendet, Fensteröffnungen erhalten dunkle Metallfenster. Das Raster des eingeschossigen Erweiterungsbaus bezieht auf das Raster der Stahlbetonrahmen der angrenzenden Filterhalle. Die Außenwand der Filterhalle bleibt im Innenraum des Neubaus sichtbar, jedes neue Büro bezieht sich somit auf ein bestehendes Betonrahmenfenster zur Filterhalle. Die räumliche Anbindung an den bestehenden Bürobereich erfolgt über einen Fassadendurchbruch im ehemaligen Besprechungsraum. Hier befindet sich der neue Eingangsbereich, von außen gut wahrnehmbar durch die gestaffelte Fassade und die Außentreppe mit Eingangszone. Im Innenraum wird ebenfalls unterschieden zwischen Erweiterungsbau und Umbau Bestand. Brandschutztechnisch erfolgt die Bewertung gem. Industriebaurichtlinie, d.h. ohne Brandabschnittsbildung, aber mit einer feuerhemmenden Trennung zwischen Büronutzung und Werkshallen.
Elektro- und Datentechnik, Heizung und Sanitär werden an bestehende Netze angeschlossen. Eine neue Lüftungsanlage versorgt den Besprechungsraum mit Frischluft.
Die Regenwasserentwässerung erfolgt ebenfalls über das bestehende Netz. Hier werden auch Anpassungen im Bestand stattfinden müssen.
Eine barrierefreie Rampe mit Treppenanlage befindet sich am Eingang zur Verdüserhalle.