Neuhaus Sasse Ingendoh Architekten





Neubau Oberstufenhaus Ilse-Löwenstein-Schule, Hamburg Barmbek

Schulbau Neubau Oberstufenhaus
Planungsbeginn Winter 2020
Fertigstellung Sommer 2024
Leistungsphasen LPH 1-8
BGF 1.084 m²

 


Ansicht Straßenfront

 

 


Ansicht vom Schulhof mit Aula im Hintergrund

 

Der benachbarte Altbau

Der Schulstandort Humboldstraße 89 wird geprägt durch den 1904 von Albert Erbe entworfenen 4-geschossigen, weiß verputzen denkmalgeschützten Altbau. Der Haupteingang und das Sockelgeschoss sind mit hellem Sandstein verkleidet. Im Hochparterre werden jeweils drei Fenster mit einem umlaufenden Rahmen aus Sandstein gefasst. Ein auskragendes Kopfgesims bildet den oberen Abschluss des markanten Gebäudes. Vertikale Lisenen gliedern den verputzten Baukörper, so dass die einzelnen Klassenräume mit jeweils drei Fenstern von außen ablesbar werden. Bedingt durch einen Kriegsschaden befindet sich die Dachform nicht mehr im Originalzustand.

 


Ansicht vom Schulhof mit denkmalgeschütztem Hauptgebäude im Hintergrund

 

Lücke im Blockrand

Die umliegenden Gebäude sind nahezu durchgängig in geschlossener Bauweise als Blockrandbebauung ausgeführt und weisen in der Regel 4-5 Geschosse auf. Dabei wechseln sich Gebäude aus der Gründerzeit mit Nachkriegsbauten und modernen Neubauten ab. Das Straßenbild prägende Materialien sind heller Putz und roter Verblendstein. Der Altbau fügt sich, obwohl er seitlich freistehend als Solitär geplant ist, in den Blockrand ein und markiert die Grenze des Schulgeländes zur Straße. Rein städtebaulich fällt eine Lücke im Blockrand zwischen dem Altbau und der im Süden angrenzenden Wohnbebauung auf. Die Lücke markiert das Schulgelände mit Zugang zum Schulhof. Städtebaulich dem Altbau untergeordnet und aus der Straßenflucht zurückversetzt wurde die Pausenhalle mit Aula in den 50er/60er Jahren in der Lücke des Blockrands platziert. Der als Solitär geplante Altbau behält seitlichen Freiraum, nicht zuletzt auch wegen der Fenster in der seitlichen Fassade. Die Position, Anordnung und Gestaltung des nun neu geplanten Gebäudes ist gemeinsam nach intensiver Vorabstimmung mit den beteiligten Behörden Stadtplanung, Denkmalschutzamt sowie Stadtgrün entwickelt worden.

 


Grundriss

 


Ansicht und Schnitt

 

Innenraum nach Fertigstellung

 

 

 


Visualisierung Innenraum zur Leistungsphase 3

 

Der Neubau
Der Schulstandort der Stadtteilschule in der Humboldtraße wurde um einen Neubau für eine 2-zügige Oberstufe der Jahrgänge 11-13 ergänzt. Das neue „Oberstufenhaus“ fügt sich straßenseitig zwischen Pausenhalle/ Aula und Altbau in die Lücke des Blockrands ein. Als Zugang zum Schulhof verbleibt ein klar definierter Durchgang mit ausreichendem Abstand zum Altbau. Das Oberstufenhaus wird in einer Flucht mit der Pausenhalle/ Aula leicht zurückversetzt auf dem Grundstück positioniert. Zum einen soll der Zugang zur Pausenhalle/ Aula sichtbar und begehbar bleiben und zum anderen dem deutlich höheren Altbau vorrangig die markante Straßenflucht gewähren. Die beiden zweigeschossigen Gebäude bilden städtebaulich und architektonisch ein Paar, so dass eine zu starke Heterogenität am Standort vermieden und die Stellung des Altbaus weiter gestärkt wird. Der neue Haupteingang des zweigeschossigen Oberstufenhauses erfolgt von der nordwestlichen Seite schräg gegenüber vom rückwärtigen Zugang des Altbaus. Das gesamte Erdgeschoss mit Verwaltungsräumen, einem Unterrichtsraum und einer Lernzone kann ebenerdig und damit barrierefrei erreicht werden. Als Referenz für die Fassadengestaltung des Oberstufenhauses dient die unmittelbar benachbarte Pausenhalle/Aula mit den großen vertikalen Fensterelementen, die gestalterisch durch vertikale Betonlisenen betont werden. Durch die Übernahme und Weiterentwicklung dieses Fenstermotivs auf die Fassaden des Neubaus mit zeitgemäßen Holz-Alufenstern und die Verwendung eines roten Verblendsteins als Fassadenmaterial entsteht untergeordnet neben dem starken Altbau ein Gebäudeensemble. Durch den Wegfall der vorhandenen Linde ergibt sich für das neue Gebäude ein rechteckiger, schlichter und wirtschaftlicher Grundriss. Die Außentreppe- gleichzeitig Eingang und 2. Rettungsweg des OG wird zum Gestaltungselement als erlebbarer Außenraum und orientiert sich in Ihrer Ausrichtung ebenfalls am Altbau. Die Grundrissgestaltung folgt dem Gedanken einer modernen, pädagogischen Ausrichtung, die offene Lernzonen in Kombination mit klassischen Unterrichts- und Differenzierungsräumen vorsieht. Verwaltungs- und Nebenräume sind zentral am Foyer im Erdgeschoss geplant. Darüber hinaus nimmt das Erdgeschoss einen Unterrichtsraum und eine offene Lernzone, das Obergeschoss zwei Unterrichtsräume und eine große Lernzone für zwei Kurse auf. Generell sorgen offene Sichtbezüge und großzügige Fensterfronten auf beiden Etagen für eine gute natürliche Belichtung und eine angenehme Arbeits- und Lernatmosphäre. Unterschiedliche Möblierungsvarianten bedienen die Anforderungen einer Oberstufe für Frontalunterricht, Groß- und Kleingruppen oder auch Einzelunterricht. Gleichzeitig bieten sich Rückzugsmöglichkeiten in lernfreien Zeiten. Das Gebäude wird in massiver, zweischaliger Bauweise ohne Keller erstellt und wurde mit Leichtbeton-Fertigteildecken geplant.
Der energetischen Standard erfüllt das Effizienzgebäude 40 und wurde gem. BEG gefördert. Die fünfte Fassade des Gebäudes – das Dach – ist von allen umliegenden Gebäuden einsehbar und wurde mit einer extensiven Dachbegrünung geplant.

Bauphase mit Spatenstich